CORONA -CRISIS

CORONA-KRISE

Dieses Mal hat die Wilderei ursächlich Tausende von menschlichen Opfern gefordert und die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruches geführt. Beim nächsten Mal könnte sie der Auslöser für die Auslöschung der menschlichen Zivilisation sein.

Der nachhaltige und respektvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen ist nicht nur Wunschdenken weniger weltfremder und naiver Naturschützer, sondern sollte vielmehr als Voraussetzung für das menschliche Überleben gesehen werden. Die Art und Weise, wie wir mit der Natur und den natürlichen Ressourcen umgehen, hat einen direkten Einfluss auf unser eigenes Wohlbefinden. Die aktuelle Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie, die auch als Corona-Krise bezeichnet wird, ist ein dramatisches – aber leider nicht das einzige – Beispiel dafür, wie die grenzenlose Ausbeutung der Natur wieder auf uns zurückfällt. Dieses Virus, das wahrscheinlich durch den menschlichen Verzehr eines illegal gewilderten Tieres hervorgebracht wurde, wird letztlich Zehntausende, wenn nicht gar Millionen von Menschenleben fordern, insbesondere in den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens. CNN – Bats are not to blame for coronavirus – humans are.

Der Ursprung des Virus, das die Krankheit Covid-19 (oder einfach als „Corona“ bezeichnet) verursacht, ist noch nicht vollständig geklärt, aber Wissenschaftler sehen starke Hinweise darauf, dass das Virus, wissenschaftlich als SARS-CoV-2 bezeichnet, von illegal gejagten Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen ist und als Delikatesse auf den so genannten Feuchtmärkten in Asien verkauft wird. Diese Märkte sind die idealen Brutstätten für Krankheitserreger, und von dort aus könnte das Virus leicht über infizierte Menschen seine tödliche Reise um die Welt antreten. BBC – Coronavirus: Pangolins found to carry related strains

Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass Fledermäuse die einzigen Wirte dieses oder anderer gefährlicher Krankheitserreger sind. Tatsächlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass Fledermäuse vor allem ideale Zwischenwirte einer Vielzahl von Erregern sind, die ursprünglich von anderen wildlebenden Tieren stammen und auf den Menschen „überspringen“ können. Die unkontrollierte Wilderei, genauso wie Haltung und der Verzehr von Wildtieren im Allgemeinen stellen deshalb eine massive Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar.

Das aktuelle Corona-Drama erscheint teilweise wie ein Déjà-vu. Tatsächlich wurde die Weltbevölkerung bereits im Jahr 2002 von einem anderen Corona-Virus bedroht: dem SARS-CoV. Ähnlich wie bei der aktuellen Bedrohung durch SARS-CoV-2 wurde das SARS-CoV von gewilderten Zibetkatzen (kleine, Waschbär-ähnliche Säugetiere) auf den Menschen übertragen. Auch die Zibetkatzen wurden als Delikatessen auf asiatischen Lebensmittelmärkten verkauft.  Reuters – China scientists say SARS-civet cat link proved.

Weitere Beispiele für gefährliche Viren, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurden und zahlreiche Todesfälle verursachten, sind unter anderem die Schweinegrippe-Viren und die Vogelgrippe-Viren. Das dramatischste Beispiel für ein Virus, das sich von Wildtieren auf den Menschen ausgebreitet hat, ist jedoch mit Sicherheit die Gruppe der menschlichen Immunschwächeviren (HIV), die AIDS verursacht. Seit ihrem ersten Auftreten beim Menschen, hat die AIDS-Pandemie mehr als 25 Millionen Menschenleben gefordert. Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, wurde HIV um die 1920er Jahre von Schimpansen auf den Menschen übertragen. Die infizierten Schimpansen wurden in der Gegend um Kinshasa (Kongo, Afrika) für den Verzehr gejagt und geschlachtet. Origins of HIV and the AIDS Pandemic. 

Wie kommt es dazu?

Wilderer vertreiben weltweit illegal erworbene exotische Tiere an große kommerzielle Unternehmen (Kürschner, Lederwarenlieferanten und zahlreiche andere Unternehmen), aber das ist noch nicht alles: oft wird das gewilderte Fleisch als vermeintlich gesundes Nahrungsmittel verkauft.  Svenja Schulze: Umweltschutz kann Pandemien verhindern

Wenn wir auf diesem Planeten überleben wollen, ist es unerlässlich, dass wir die Gefahren, die von Zoonosen ausgehen, verstehen lernen. Zoonosen beschreiben im Wesentlichen Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können.

Wenn Menschen und Wildtiere sich räumlich zu nahekommen (bspw. auf Lebendtiermärkten, aber auch bei unsachgemäßer Schlachtung und Verarbeitung von Tieren), können so Krankheitserreger, die normalerweise niemals mit Menschen in Kontakt kämen, vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Als traurige historische Beispiele für diesen Infektionsweg sind u.a. HIV, Ebola, Lepra, SARS, MERS oder COVID19 zu nennen. Dabei ist anzumerken, dass die meisten Tiere Viren und andere Pathogene in sich tragen, von denen aber nur sehr wenige den Menschen infizieren können. Noch weniger der von Tieren stammenden Viren können von Mensch zu Mensch übertragen werden, oder gefährliche Krankheiten verursachen. Aber bei geschätzten Millionen verschiedener Viren ist eines sicher: Covid19 wird nicht die letzte Zoonose sein. Durch den scheinbar harmlosen Akt der Ernährung der eigenen Familie durch Wildtierfleisch, kann eine Pandemie wie COVID19 auf die Welt losgelassen werden. Sie entwickelt sich zu einer Pandemie, weil der menschliche Körper dem neuen Virus nicht durch eine schnelle Immunabwehr entgegentreten kann. Jede der oben genannten Krankheiten hat genau so begonnen und dadurch gezeigt, warum Wilderei das Überleben der menschlichen Spezies auf unserem Planeten bedrohen kann.

Tragischerweise scheinen wir jedoch nicht aus unseren Fehlern zu lernen. Wie viele Pandemien, wie viele Zoonosen, müssen wir noch über uns ergehen lassen, um endlich nachhaltig zu handeln? Werden wir die nächste Pandemie, die mit Sicherheit auftreten wird, wenn die Wilderei weitergeht, überleben?

Eine Lösung mit enormem Potenzial

Zucht in Gefangenschaft

Eine Möglichkeit den Verzehr von Wildtieren zu ermöglichen, ist die kontrollierte Zucht von Tieren, die sonst der Natur entnommen würden. Versuche, bestimmten Kulturen Handel und Verzehr bestimmter Tiere zu verbieten, die dies aus Tradition seit Hunderten oder Tausenden von Jahren machen, haben bisher nicht gefruchtet. Tatsächlich haben Handelsverbote oft den gegenteiligen Effekt erzielt und die Nachfrage am Schwarzmarkt stieg drastisch.

Durch den Einsatz hochentwickelter Zuchtmethoden und -technologien kann das Wohlergehen des einzelnen Tieres (gute Haltungsbedingungen, gesunder Tierbestand), der Wildpopulationen (zertifizierte Zuchtbestände machen Wilderei riskanter und weniger rentabel) und der Menschen (durch die Verhinderung von Zoonosen) garantiert werden. Für Arten, die trotz der Verbote ohnehin verzehrt werden, kann die Zucht in Gefangenschaft in Kombination mit strengen Strafen für Wilderei, durchaus die einzige Lösung sein: Wenn die Sicherheit der Zucht gewährleistet werden kann und staatliche Maßnahmen den Anreiz für illegalen Handel wirklich verringern, kann dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Lebensmittelsicherheit tatsächlich viel besser gedient sein als jetzt.

Um uns vor Katastrophen wie der gegenwärtigen (oder noch schlimmeren) zu retten, müssen wir kreativer werden, was Lösungen zur Verringerung des illegalen Handels mit Wildtieren betrifft. In vielen Kulturen werden wir den Verzehr von Wildtierarten, wie z.B. Schildkröten, einfach nicht unterbinden. Einige afrikanische Länder fördern sogar die Zucht und den Verzehr von Wild als Lösung für die Hungersnot ihrer einheimischen Bevölkerung. Auch diese Länder sind bereits dabei, ihre Wildpopulationen zu registrieren (die Elefantenpopulationen in Afrika sind nur ein Anfang), was letztendlich auch die Unterscheidung zwischen gezüchteten und gewilderten Exemplaren ermöglichen wird. Die entsprechenden Länder sind jedoch noch weit davon entfernt, über die entsprechende Logistik zu verfügen und die derzeitige Technologie würde dies nur bei sehr wenigen ausgewählten Arten ermöglichen. Aber es könnte der Weg sein, der in vielen Ländern und bei vielen Arten zu gehen ist.

Wir müssen jedoch einen Weg finden um sicherstellen, dass Zucht und Handel von Wildtieren überprüfbar sind und denselben Vorschriften zur Kontrolle der öffentlichen Gesundheit unterliegen, die auch für Haustiere gelten. Das Problem ist dabei natürlich, dass Wilderei oft billiger ist als Zucht, sodass die Züchter manchmal gewilderte Tiere in ihre Populationen mischen und diese gemischte Gruppe dann als „ausschließlich in Gefangenschaft gezüchtet“ vermarkten. Diese Praxis muss gestoppt werden und eben nicht unbedingt die Nutzung von Arten, die zwar „wild“ sind, aber unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet wurden. Um zwischen einem Tier das unter kontrollierten Bedingungen in Gefangenschaft gezüchtet wurde und einem Tier das der freien Wildbahn entnommen wurde unterscheiden zu können, sind genetische Verfahren erforderlich. Wenn durch kontrollierte Zucht von Wildtieren die Gewinne aus der Wilderei zurückgehen und die Kunden von Wilderern das Risiko für Infektionen nicht mehr tragen wollen, nimmt auch die Wilderei und damit das Potenzial für Zoonosen ab. Dies ist der Anfang einer Lösung.

Was kann die Gesellschaft also tun, um die Lösung des Problems voranzutreiben? Es gibt bereits viele erfolgreiche Programme zur Erhaltung und zur kommerziellen Züchtung mehrerer „wilder“ und bedrohter Arten auf der ganzen Welt. Aber die Zusammenarbeit zwischen Erhaltungszucht und kommerzieller Zucht muss gefördert werden, um genetisch möglichst diverse und dadurch langfristig lebensfähige Populationen in Gefangenschaft zu erhalten. Es besteht wenig Bedarf, mehr Zuchteinrichtungen zu schaffen; allerdings ist es zwingend erforderlich, die derzeitigen Zuchteinrichtungen so zu verändern, dass sie garantiert frei von Manipulationen arbeiten. Jedes Tier, das sich in einer solchen Einrichtung aufhält, sie betritt oder verlässt, sollte durch eine manipulationssichere Methode registriert werden, um die Infiltrierung der Logistikketten durch gewilderte Exemplare rückverfolgbar zu machen.

Eine neue technologische Entwicklung kann die Lösung sein.

Genau diese manipulationssichere und wirtschaftliche Methode zur Kontrolle strengerer Zucht- und Handelsregularien der zahllosen betroffenen Arten ist heute noch nicht kommerziell verfügbar und daher sind alle oben genannten Konzepte noch nicht durchsetzbar. Gegenwärtig sind Zuchttiere nicht formell durch eine Methode dokumentiert, die ein legales, in Gefangenschaft gezüchtetes Wildtier von einem illegal gewilderten Tier unterscheiden würde. Gegen die unkontrollierte Entnahme von Wildtieren wurden Gesetze verabschiedet und Strafen festgelegt. Zweifellos werden nach der Corona-Krise noch viele weitere Vorschriften hinzukommen, bis hin zum Totalverbot des Handels mit Wildtieren. Letzteres würde aber lediglich den Schwarzmarkt befeuern um die weiterhin bestehende Nachfrage zu bedienen.

Die Entwicklung eines Analyseverfahrens bei Ark-Biodiversität, das ursprünglich dazu gedacht war den Strafverfolgungsbehörden die Technologie zur Verfügung zu stellen um den illegalen Tierhandel an den Einreisehäfen zu unterbinden, kann auch zur Provenienz-Überprüfung von Zuchttieren herangezogen werden. Es handelt sich dabei um eine Innovation, die einen genetischen Fingerabdruck für Exemplare jeder Art erstellen kann (siehe ark-biodiversity.com).

Wenn alle legalen Tiere eines Züchters genetisch katalogisiert sind und alle Strafverfolgungsbehörden, die mit diesem Züchter zu tun haben, leichten Zugang zu diesen Informationen haben, könnten diese Behörden eindeutig zwischen Tieren die legal in Gefangenschaft gezüchtet wurden und Tieren die der freien Wildbahn entnommen wurden, unterscheiden. Unzählige Arten und Exemplare weltweit könnten registriert werden, wodurch die Unsicherheit und Gefahr seitens der Verbraucher beseitigt werden kann: Handelt es sich um eine Wildtierpopulation, die in Gefangenschaft gezüchtet wurde und gesund ist, oder um eine Population die gefährliche Pathogene verbreiten könnte?

Wo immer es sie gibt, waren die derzeitigen pauschalen Verbote von Zucht, Handel und Konsum schwer durchzusetzen. Der technologische Durchbruch von Ark-Biodiversity wäre nicht nur wirksamer bei der Eindämmung der Wilderei (einschließlich der Durchsetzung von Pauschalverboten, wo dies gesetzlich vorgesehen ist), sondern ist auch in der Lage, ein fälschungssicheres Handelssystem für alle zukünftigen Zuchttiere zu schaffen.

Genetisches Fingerprinting von Tieren kommt einem „Gütesiegel“ gleich. So kann die Naturschutzgenetik mächtige Werkzeuge zur Verfügung stellen, um die unkontrollierte Ausplünderung der Natur, die nicht nur die globale biologische Vielfalt zerstört, sondern auch die menschliche Zivilisation potenziell zerstören kann, aufzuspüren, zu stoppen und schließlich zu verhindern.

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