ARTENSCHUTZ

Neben dem Klimawandel ist die Biodiversitätskrise eines der drängendsten aktuellen Probleme der Weltgemeinschaft. Die Vernichtung von Lebensräumen, aber auch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch illegalen Handel mit Tieren, Pflanzen und Produkten aus solchen bedrohen die Artenvielfalt mittlerweile in dramatischem Ausmaß. Laut der U.S. Behörde Fish & Wildlife Services handelt es sich beim illegalen Handel mit Tieren und Tierprodukten um ein Multimilliarden-Geschäft (https://www.fws.gov/international/travel-and-trade/illegal-wildlife-trade.html),  in seiner Dimension durchaus mit dem illegalen Drogen- und Waffenhandel vergleichbar. Tatsächlich droht durch den Verlust der globalen Biodiversität der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme und damit der Wegfall grundlegender Ökosystemleistungen, auf die der Mensch angewiesen ist.

Abgesehen von der Tatsache, dass laut aktuellen Schätzungen bisher lediglich etwa 25% der weltweiten biologischen Vielfalt überhaupt erfasst sind, ist es nach wie vor nur mit sehr großem Aufwand überhaupt möglich, Organismen sicher zu bestimmen und zu dokumentieren. Diese sichere Identifizierung und der Vergleich von Organismen deren Proben ist einerseits Grundvoraussetzung für jegliche Schutzaktivität, stellt andererseits aber nach wie vor eine der größten Herausforderungen, sowohl für Endanwender (verarbeitende Industrie), Umweltschutzbehörden (Zoll- und Umweltbehörden, CITES, EU), Züchter (zoologische und botanische Gärten, private Züchter), als auch für Akteure aus der organismischen akademischen Forschung dar. Die spezifischen Fragestellungen der verschiedenen Interessensgruppen können dabei durchwegs divergieren; während die verarbeitende Industrie an einer transparenten Lieferkette interessiert ist (z.B. Rückverfolgbarkeit einer individuellen Krokodilhaut bis zur Handtasche), interessieren sich Umweltschutzbehörden aus juristischen Gründen sowohl für eine eindeutige und schnelle Artbestimmung, als auch für einen fälschungssicheren Herkunftsnachweis (z.B. „Elternschaftsnachweis“ bei vermeintlichen Nachzuchten). Ähnlich sind Züchter seltener und bedrohter Arten neben der präzisen Art- und Unterartbestimmung, an eindeutigen Verwandtschaftsverhältnissen ihrer Zuchttiere interessiert, um u.a. ihre Zuchtpläne zu optimieren.

Unser Ansatz zur Verbesserung der Identifizierung taxonomischer Einheiten einerseits und der Entschlüsselung von Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb einer Art andererseits, besteht in der Entwicklung eines revolutionären, weil einheitlichen und Taxon-übergreifenden DNA-Fingerabdruckverfahrens: Universal Fingerprint of Life (UFoL). 
 

Kooperation mit 'Turtle Island'

Die Zusammenarbeit mit Turtle Island in Graz (Österreich) – eine der größten und artenschutztechnisch wertvollsten Einrichtungen ihrer Art  ist ein gutes Beispiel für unsere vielfältigen Anstrengungen  zur Unterstützung der nicht kommerziellen Haltung und Züchtung.  Über Turtle Island ist Ark Biodiversity zudem an einer wachsenden Anzahl globaler Projekte beteiligt, die auf die Zucht gefährdeter Schildkrötenarten und deren Wiederansiedlung in den natürlichen Habitaten abzielen.

Gemeinsam mit dem Privatzoo Turtle Island optimieren wir das UFoL-Verfahren dahingehend, dass (a) einmal genotypisierte Tiere bei einer späteren Überprüfung eindeutig identifizierbar sind, (b) Jungtiere aus postulierter Nachzucht auch wirklich den entsprechenden Elterntieren/Zuchtgruppen zuordenbar sind und (c) Unterarten, die von außen kaum erkennbar sind, als solche ausgemacht werden können. Diese Anwendungen des UFoL dient somit als fälschungssicherer Herkunftsnachweis, der den illegalen Tierschmuggel unrentabel macht. Als eindeutige Verwandtschafts-, Art- und Unterart-Bestimmung, wird das UFoL-Verfahren zudem jede wissenschaftliche (Erhaltungs-) Zuchtplanung wesentlich erleichtert (u.a. durch Vermeidung von Inzucht oder Hybriden).

Kooperation mit der lederverarbeitenden Industrie

In Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus dem Bereich der Lederverarbeitung arbeiten wir daran, dass unser UFoL-Verfahren (a) die entsprechende Tierart (z.B. Nilkrokodil) aus einem Lederprodukt (z.B. Krokodilledertasche) identifizieren kann und (b) ein eingangs genotypisiertes Individuum über die gesamte Liefer- bzw. Verarbeitungskette an beliebiger Stelle nachverfolgen kann („von der Farm bis zur Handtasche“). Dadurch soll der Infiltrierung von Lieferketten durch gewilderte Tiere oder geschützte Arten (die einem Handelsverbot unterliegen), ein Riegel vorgeschoben werden.